Fragen an Olaf Lingnau | Blumenbecker Gruppe

Fragen an Olaf Lingnau | Blumenbecker Gruppe

12. Oktober 2015 | News

Olaf Lingnau ist Geschäftsführer der Blumenbecker Industriebedarf GmbH und Blumenbecker Industrie-Service GmbH. Die international agierende Blumenbecker Firmengruppe bietet mit mehr als 1200 Mitarbeitern und zahlreichen Standorten ein breites Produkt- und Leistungsportfolio im Bereich der Automatisierung von Anlagen und Maschinen, der Entwicklung innovativer Robotiklösungen, der Produktbelieferung mit C-Teilen bis hin zu Werkzeugmaschinen, der Prüfung, Wartung und Reparatur von Anlagen sowie dem Sondermaschinenbau. Seit Oktober 2014 gehört Olaf Lingnau dem Präsidium des Fachverbands des Maschinen und Werkzeug-Großhandels e.V. (FDM) an.

1. Herr Lingnau, welche derzeitigen Trends im Procurement-Prozess halten Sie für zukunftsfähig?

Eindeutig die Durchgängigkeit und die Flexibilität der Systeme. Der Kunde hat heute auf unterschiedlichen Ebenen Bedarf an elektronischen Produkten. Dies können Scanner Systeme im Magazin sein, Ausgabeautomaten in der Produktion, die Lager Verwaltungssoftware für das Magazin, Kanban Versorgungssysteme bis hin zu RFID Anwendungen. Die Steuerung und die Skalierbarkeit über eine Beschaffungsplattform ohne weitere Subsysteme wird aus meiner Sicht Standard werden bzw. zwingend sein. Ich persönlich sehe perspektivisch auch zunehmend den Bereich der betrieblichen Instandsetzung als einen Baustein innerhalb eines Procurement Systems. Entscheidend wird sein, wer dem Kunden die größten Mehrwerte bietet und möglichst viele MRO Bereiche abdeckt.

2. Was denken Sie, wo wir im E-Procurement im Jahr 2030 stehen?

Die Komplexität und der Preisdruck mit Blick auf die Globalisierung werden weiter zunehmen. Wenn ich die letzten 15 Jahre zurückschaue, dann gab es unterschiedlich stark ausgeprägte Wellen mit Blick auf das Kundeninteresse bzw. die anschließende Bereitschaft zur Installierung eines eProcurement Systems. Die Konzentration auf die eigentlichen Werttreiber wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Dies gepaart mit begrenzten Ressourcen wird die Nutzung eines elektronischen Beschaffungssystems, zumindest in der Industrie, zum Standard werden lassen. Ich bin überzeugt, dass das keine 15 Jahre dauern wird, sondern sich auf dem hohen derzeitigen Niveau weiter steigert. Der Trend ist ja bereits jetzt stark spürbar.
Bezogen auf die Branche, in der wir tätig sind, den Werkzeugwelten mit den peripheren Sortimenten des technischen Handels und dem Arbeitsschutz sehe ich weiter den Trend hin zur Prozessoptimierung. Heute ist sehr häufig noch der Preis der entscheidende Faktor bei der Auftragsvergabe des Kunden. Die Kunden beschränken sich immer noch zu oft lediglich auf die Betrachtung der sogenannten Warenkörbe, dies getrieben durch die Consulter, die sich aus den erzielten „savings“ finanzieren.
Ich glaube, dass zukünftig die Dienstleistung von dem Produkt entkoppelt wird. Ich bezeichne es heute oft als „Ehrenamt“. Wenn wir zukünftig die teils komplexen technologischen Herausforderungen in der Anbindung bis hin zur Internationalisierung verbunden mit Mehrsprachigkeit leisten wollen, müssen wir diese auch finanzieren können und das geht eben nicht mehr aus der Marge für das eigentliche Produkt. Hier wird die Leistungsführerschaft des Handels gepaart mit den richtigen Antworten rund um das eigentliche Produkt große Chancen bieten.

3. Wie wichtig ist das Thema „Mobile“ im E-Procurement? 

Man muss hier aus meiner Sicht klar die Zielgruppen unterscheiden. Im Handwerk ist bereits heute ohne eine gut funktionierende mobile Lösung nur wenig Zuwachs elektronisch zu erreichen. Die Handwerker, insbesondere die kleineren Betriebe, sind tagsüber auf der Baustelle und wollen quasi nebenbei ihre Bedarfe platzieren. Die mobile Version muss hier selbstverständlich automatisch die Ansicht auf dem Bildschirm anpassen und die wesentlichen Funktionen der Vollversion optimal abbilden. Alles andere ist nicht „state of the art“.
In dem Segment der Industriekunden sehe ich eine mobile Version als nicht so essentiell an. Hier sind aus meiner Sicht die Shop-Lösungen auch nicht die optimalen Produkte. Ich sehe hier eher voll integrierte eProcurement-Lösungen, die meist über Desktop PCs bedient werden, als derzeitige Anforderung. Ganz andere Kriterien spielen bei dieser Zielgruppe die entscheidende Rolle.

Vielen Dank für Gespräch!

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