E-Rechnungsstellung in Frankreich: Formate, Netzwerke und Zeitpläne
Frankreich führt eines der umfassendsten E-Invoicing-Rahmenwerke Europas ein, das den strukturierten Rechnungsaustausch mit E-Meldepflichten kombiniert. Das französische Modell basiert auf einem Plattform-Ökosystem, in dem öffentliche und private Komponenten zusammenarbeiten, um Compliance und Interoperabilität sicherzustellen. In dieser ausführlichen Analyse erläutern wir, wie die E-Rechnungsstellung in Frankreich funktioniert, welche Formate und Netzwerke verwendet werden und wie die Umsetzung schrittweise erfolgt.
Überblick zur E-Rechnungsstellung in Frankreich
Frankreich betreibt ein plattformbasiertes E-Invoicing-Modell mit klaren Komponenten für B2G- und B2B-Transaktionen:
- Chorus Pro Die staatlich betriebene Plattform für B2G (Business-to-Government) E-Rechnungen. Sie bleibt für alle an öffentliche Stellen gerichteten Rechnungen verpflichtend.
- PA – Plateformes Agréées Zertifizierte private Plattformen für die B2B-E-Rechnungsstellung. Diese Plattformen waren früher als PDPs (Plateformes de Dématérialisation Partenaires) bekannt.
- PPF – Portail Public de Facturation Das staatlich betriebene öffentliche Portal, das dient als:
- Standard-PA für Unternehmen, die keine private PA nutzen
- Zentrale Interoperabilitätsschicht zwischen den PAs
- Drehkreuz für die Übermittlung von Rechnungsdaten an die Steuerbehörde für das E-Reporting
Diese Komponenten bilden gemeinsam das französische Ökosystem für E-Invoicing und E-Reporting.
Unterstützte E-Rechnungsformate in Frankreich
Frankreich unterstützt mehrere an EN 16931 ausgerichtete Formate, darunter:
- UBL 2.1
- UN/CEFACT CII
- Factur-X (Hybridformat, das strukturiertes XML mit einer PDF kombiniert)
Diese Formate werden von Chorus Pro, den PAs und dem PPF unterstützt.
Wie E-Rechnungen in Frankreich ausgetauscht werden
B2G (Business-to-Government)
- Rechnungen werden ausschließlich über Chorus Pro ausgetauscht
- Chorus Pro übernimmt die Validierung, Weiterleitung und Zustellung an die öffentlichen Stellen
B2B (Business-to-Business)
- Rechnungen werden über zertifizierte PAs (früher PDPs) ausgetauscht
- PAs tauschen Rechnungsdaten untereinander und mit dem PPF aus
- Der PPF gewährleistet die Interoperabilität und leitet erforderliche Daten an die Steuerbehörde weiter
In der Praxis:
- Unternehmen können eine private PA nutzen
- Unternehmen können den PPF direkt als ihre PA nutzen
- Alle Rechnungsdaten fließen zum Zweck des Reportings durch das nationale Ökosystem
Zeitplan und verpflichtende Phasen in Frankreich
Frankreich hat eine stufenweise Einführung definiert, beginnend mit einer allgemeinen Empfangspflicht.
B2G (Business-to-Government)
- Seit 2017 Alle Lieferanten öffentlicher Stellen müssen elektronische Rechnungen über Chorus Pro ausstellen.
B2B (Business-to-Business)
- Ab 1. September 2026
- Alle Unternehmen müssen strukturierte E-Rechnungen empfangen können
- Großunternehmen und mittelständische Unternehmen (ETI) müssen strukturierte E-Rechnungen ausstellen
- E-Reporting-Pflichten gelten für relevante Transaktionen
- Ab 1. September 2027
- Kleine und Kleinstunternehmen müssen strukturierte E-Rechnungen ausstellen
- E-Reporting-Pflichten werden entsprechend ausgeweitet
Fazit
Das französische E-Invoicing-Rahmenwerk basiert auf einer klaren Trennung zwischen B2G- und B2B-Prozessen. Chorus Pro bleibt die verpflichtende Plattform für die Rechnungsstellung im öffentlichen Sektor, während B2B-Rechnungen über zertifizierte PAs ausgetauscht werden, die über den PPF für Interoperabilität und E-Reporting verbunden sind. Mit wichtigen Meilensteinen in den Jahren 2026 und 2027 müssen Unternehmen, die in Frankreich tätig sind, sicherstellen, dass sie strukturierte E-Rechnungen über das französische Plattform-Ökosystem empfangen und verarbeiten können.
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