Point Solutions in Procurement vs. S2P Suiten: Was ist der richtige Ansatz?
Worin sollten wir im Einkauf investieren, in Einzellösungen oder eine integrierte Source-to-Pay (S2P)-Suite?
Diese Frage stellt sich vielen Procurement-Teams, insbesondere wenn Digitalisierungsmaßnahmen Fahrt aufnehmen. Auf den ersten Blick wirkt die Entscheidung leicht: schnelle, flexible Lösungen auf der einen Seite, durchgängige Integration und Kontrolle auf der anderen. In der Praxis ist die Entscheidung jedoch komplexer. In diesem Artikel beleuchten wir Einzellösung im Einkauf im Detail, vergleichen sie mit S2P-Suiten und zeigen, warum die Abgrenzung zwischen beiden Ansätzen zunehmend verschwimmt.
Einzellösungen: gezielt optimieren und schnelle Wirkung erzielen
Einzellösungen konzentrieren sich bewusst auf einzelne Anwendungsbereiche im Einkauf. Dazu gehören beispielsweise Sourcing, Contract Lifecycle Management (CLM), Lieferanten-Onboarding oder Rechnungsautomatisierung.
Ihr Reiz liegt auf der Hand:
- Sie ermöglichen es Unternehmen, einen einzelnen Prozess zu optimieren, ohne die gesamte Beschaffungslandschaft neu aufzusetzen. Das macht sie besonders attraktiv, wenn ein konkreter Pain Point besteht und schnelle Ergebnisse gefragt sind.
- Best-of-Breed-Einzellösungen bieten oft besonders große funktionale Tiefe in ihrem jeweiligen Bereich. Eine spezialisierte Sourcing-Plattform kann beispielsweise fortschrittlichere Verhandlungsfunktionen bieten als eine umfassende Suite.
- Sie erfordern in der Regel eine geringere Anfangsinvestition. Im Vergleich zu einer vollständigen S2P-Suite bleibt der Investitions- und Implementierungsaufwand zunächst überschaubar.
Die Grenzen zeigen sich mit wachsender Komplexität
Sobald mehrere Einzellösungen im Einsatz sind, verändert sich das Bild. Einkaufsprozesse sind eng miteinander verzahnt, und ihre Aufteilung auf verschiedene Systeme führt zu Abhängigkeiten und Brüchen, die anfangs nicht immer sichtbar sind.
Typische Folgen: Daten liegen isoliert in verschiedenen Systemen vor, was konsistentes Reporting und Spend-Transparenz erschwert. Integrationen können das zwar abfedern, bringen jedoch zusätzlichen Aufwand mit sich.
Gleichzeitig leidet die Nutzererfahrung. Unterschiedliche User-Interfaces, Workflows und Logins erschweren die Kollaboration und reduzieren die Effizienz – vor allem, wenn Einkauf und Finanzabteilung systemübergreifend zusammenarbeiten müssen.
S2P-Suiten: Prozesse zusammen denken
Eine S2P-Suite verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, indem sie den gesamten Beschaffungszyklus – vom Sourcing über Lieferanten- und Vertragsmanagement, bis hin zu Einkauf, Rechnungsverarbeitung und Zahlung – in einem System verbindet. Ziel ist es, Daten, Workflows und Stakeholder in einer konsistenten Umgebung zusammenzuführen.
Die Vorteile werden besonders im größeren Maßstab sichtbar:
- End-to-End-Transparenz: Alle Prozesse greifen ineinander und bilden eine zentrale Datenbasis für Ausgaben, Lieferanten und Performance.
- Prozesskonsistenz: Standardisierte Workflows sorgen für Compliance und Effizienz im gesamten Einkauf.
- Höhere Datenqualität: Daten fließen durch ein System und sind dadurch verlässlicher, vollständiger und besser nutzbar.
- Bessere Zusammenarbeit: Finanzabteilung, Einkauf und Lieferanten arbeiten im selben Ökosystem, was Reibungsverluste reduziert.
Ein direkter Vergleich
Die Unterschiede zwischen beiden Ansätzen werden deutlicher, wenn man sich typische Anwendungsfälle und Ergebnisse ansieht:
Warum die Entscheidung nicht mehr binär ist
Historisch galten S2P-Suiten als weniger flexibel, langsamer in der Implementierung und funktional weniger tief als Einzellösungen. Deshalb haben sich viele Unternehmen zunächst für einen Best-of-Breed-Ansatz entschieden.
Heute verändert sich dieses Bild, moderne S2P-Plattformen – wie Onventis – sind modular aufgebaut. Unternehmen können mit einem konkreten Anwendungsfall starten und die Lösung schrittweise erweitern. Damit entfällt die klassische Entweder-oder-Entscheidung.
Ein praxisnaher Ansatz zur Entscheidungsfindung
In der Realität starten viele Procurement-Transformationen genau so, mit einem klar abgegrenzten Use Case, der schnell Mehrwert liefert. Anschließend werden weitere Prozesse angebunden und Schritt für Schritt eine integrierte Beschaffungslandschaft aufgebaut:

Dieser Ansatz reduziert Risiken und ermöglicht gleichzeitig mehr Transparenz und Kontrolle im Zeitverlauf.
Lösungen wie Onventis spiegeln diese Entwicklung wider. Die Plattform vereint Sourcing, Lieferantenmanagement, Vertragsmanagement, Procure-to-Pay und Analytics in einem System und bietet gleichzeitig einen modularen Einstieg je nach Priorität.
Was das für Procurement-Teams bedeutet
Point Solutions bleiben wichtig – insbesondere, wenn kurzfristig Verbesserungen in einem klar abgegrenzten Bereich nötig sind. Sie ermöglichen schnelle Fortschritte und dienen oft als Einstieg in die Digitalisierung des Einkaufs.
Mit steigender Reife und wachsender Komplexität wird jedoch Integration zum entscheidenen Faktor. Transparenz, Compliance und Effizienz hängen maßgeblich davon ab, wie gut Prozesse und Daten verknüpft sind.
Gleichzeitig lohnt sich ein kritischer Blick auf den Markt: viele Anbieter haben ihre S2P-Suiten durch Zukäufe von Einzellösungen aufgebaut. Dadurch entsteht zwar funktionale Breite, doch die Lösungen bleiben oft lose integriert. Das führt zu inkonsistenter Nutzererfahrung, fragmentierten Daten und letztlich zu scheinbar integrierten Systemen, die in der Praxis wie Einzellösungen funktionieren.
Fazit: Welcher Ansatz ist besser?
Die Wahl zwischen Einzellösungen und S2P-Suiten ist heute weniger eine Grundsatzentscheidung als eine Frage der Strategie. Es hängt vielmehr vom Ausgangspunkt, den Prioritäten und der langfristigen Zielsetzung ab. Wer kurzfristig konkrete Probleme lösen möchte, ist mit spezialisierten Tools gut beraten. Wer langfristig auf Transparenz, Effizienz und Skalierbarkeit setzt, profitiert zunehmend von integrierten Plattformen.
Die Realität: Flexibilität und Integration schließen sich nicht mehr aus.
Moderne, modulare S2P-Plattformen ermöglichen beides: einen gezielten Einstieg und den schrittweisen Aufbau eines vernetzten Systems. Unternehmen müssen sich also nicht mehr im Voraus festlegen, sondern können schrittweise vorgehen, ohne in einer fragmentierten Systemlandschaft zu landen.
Einzellösungen werden weiterhin eine Rolle spielen – insbesondere bei kurzfristigem Bedarf. Doch je datengetriebener, strategischer und vernetzter der Einkauf wird, desto klarer wird der Mehrwert integrierter Prozesse.
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